Stuttgarter Kickers – Karlsruher SC 0:2

Stuttgarter Kickers – Karlsruher SC 0:2, Mi. 24.10.2012

Über Paranoia, Riesen und Chancen

Das die Presse und viele ihre Konsumenten keine Ahnung von der Fanszene und den vorhandenen und viel öfters nicht vorhandenen Problemen haben, ist schon lange bekannt. Leider ändert das nichts daran, dass jeder der einmal im Fernsehen ein Länderspiel gesehen hat, sich über die „Krawallmacher“ äußert und plötzlich Experte ist. Keine Ahnung von der Thematik, alles aus der Zeitung übernehmen, von Journalisten die meistens selber nicht vor Ort waren und sich im Prinzip auch gar nicht für die Wahrheit interessieren. Quote bringen nur „Straßenschlachten“, „neue Dimensionen der Gewalt“ oder ähnliche Tastaturergüsse. Diese Presse schafft es doch tatsächlich, dass einige Eltern ihren Kickers-Nachwuchs „bei so einem Spiel“ keine Stadionzeitungen verteilen lassen. Die „Kleinen“ könnten vermutlich verstümmelt oder verschleppt werden. Der DFB erreicht also genau das, was er für weitere Maßnahmen beabsichtigt und die Presse unterstützt ihn dabei.
Passend dazu kam der nächste Streich aus Frankfurt mit der Vorlage eines Sicherheitskonzepts, welches im Prinzip die Situation nur weiter verschärft und die Eskalation mit großen Schritten voran treibt. Die Situation wird nicht besser, lassen wir uns alle überraschen, was die Folgen sind.

Vermutlich liest auch der Polizeipräsident Zeitung und lässt sich von so etwas anstecken. Man nennt dies Paranoia.
Paranoia, die;-,…ien (med. geistig-seelische Funktionsstörung mit Wahnvorstellungen); Quelle: Duden

Nachdem man den ursprünglichen Termin aus Sicherheitsgründen verlegt hat (warum eigentlich überhaupt?) und mit der Stadt, dem KSC und der Polizei alles geplant hatte, kam ein lustiger Polizeipräsident auf die tolle Idee, die komplette Planung erneut über den Haufen zu schmeißen und vermutlich alle annähernd verfügbaren Einsatzkräfte nach Degerloch zu schicken. Aber leider nicht zum Betriebsausflug mit Eintrittskarten und Gutscheinen für ne Stadionwurst, sondern mit Vollschutz und Schlagstock.
Also wurden kurzerhand alle Parkplätze geschlossen, freie Zufahrtswege gesperrt und das Spiel auf einen Mittwoch Abend um 18:00 Uhr gelegt, damit möglichst wenige Leute überhaupt auf die Idee kommen, sich ein Baden-Württemberg-Duell anzuschauen. Doch nicht genug der Schikane und Fangängelung. Die KSC-Fans mussten sich ihre Karten im Vorverkauf in Karlsruhe besorgen. Eine Tageskasse wurde aus Sicherheitsgründen nicht geöffnet, das ist eine riesige Schweinerei und ein nicht hinzunehmender Eingriff in die Fanlandschaft. Ganz egal ob man nun Badener mag oder nicht, ob die KSC-Fans zum Teil negativ aufgefallen sind oder nicht. Das ist Sippenhaft. Kein DFB, keine Polizei würde jemals auf die Idee kommen eine Haupttribüne zu sperren und keine Karten zu verkaufen, weil von dort Münzen oder Feuerzeuge geflogen kommen. Aber diese „Fans“ will man ja auch haben. Popcorn-Fans, die 5 Minuten vor dem Halbzeit-Pfiff schon wieder im VIP-Bereich verschwinden und die Tore bis zu 55. Minute auch verschmerzen können, weil das Kartoffelgratin in dem Moment Priorität hat. Aber, wer später auf die Haupttribüne zurück kommt, darf auch schon in der 80. gehen um dem Verkehrschaos zu entgehen.
Hätte heute sogar in Degerloch funktioniert – weil der SWR überträgt und man die Tore ja dann noch im Internet anschauen kann.

Jetzt hat das Hochrisikospiel also endlich stattfinden dürfen. Die Fans des KSC durfte eine eigene Stadtbahnlinie nehmen und die Kickers-Fans auf die beiden anderen Linien ausweichen, die das Stadion anfahren. An den Haltestellen wurde man von dutzenden Polizisten empfangen, die manchen Kindern mehr Angst gemacht haben, wie singende Gästefans. Sauber abgesperrte Strassen, Sichtbarrieren, wie Tiere im Zoo, wurden die Zuschauer dann Richtung Stadion geführt.

Der Inhalt des Spiels ist schnell erzählt. Ein KSC der mit Einsatz in jeden Zweikampf geht, dem bekannt ist, dass man besser an den Ball kommt, wenn man vor und nicht hinter dem Gegenspieler steht und der das Spiel gewinnen wollte. Unsere Mannschaft verunsichert, mit Zuspielfehlern über Distanzen von fünf Metern, der Unfähigkeit einen Ball flach zu spielen und mangelnder Größe. Dafür kann man unseren Spielern keine Schuld geben. Zwerge gegen Riesen – das haben wir diese Saison schon öfters gesehen.
Riese, der;-n,-n (außergewöhnlich großer Mensch; auch für sagenhaftes, mythisches Wesen, Märchengestalt); Quelle: Duden
Die KSC-Spieler waren weder außergewöhnlich groß, noch mythisch oder Märchengestalten; sie waren nur nen Kopf größer. Auch das muss nicht zwingend ein Problem sein. Solange man nicht jeden Ball hoch und weit nach vorne kloppt, muss man auch nicht ständig in Luftzweikämpfen verlieren. Flach spielen – hoch gewinnen! (Dafür gehen 5€ am Samstag in die Jugendkasse)
Also gab es wieder zwei Tore, so wie ein paar Tage vorher gegen Burghausen – auch hier beide unnötig. Unnötig auch noch zu erwähnen, dass der KSC beim Stand von 0:0 nen Elfmeter Richtung Kamerakran des SWR schießt. Und unsere Mannschaft? Wo waren die Chancen?
Chance, die-,-n (günstige Gelegenheit; meist Plur.: Aussichten auf Erfolg); Quelle: Duden
Günstige Gelegenheiten, Aussichten auf Erfolg? Nicht bei uns, muss an der französischen Herkunft des Wortes liegen. Chancenlos – absolut.
Der Abschuss der Drei-Heimspiele-Woche folgt am Samstag gegen Unterhaching, vermutlich auch kein leichter Gegner, dafür aber vermutlich ohne hunderte Polizisten und einen Hubschrauber, der ne Stunde lang über dem Stadionbereich steht und mit Wärmebildkameras ein nicht vorhandenes Horrorszenario im Wald sucht.
Überflüssig zu sagen, dass natürlich nichts passiert ist!!! KSCler und Kickers-Fans hatte noch nie großartig Probleme – und wenn es zur Zeit gegen den DFB geht, dann sind sich sowieso alle Fangruppen einig.
Aufwachen DFB – Kommunikation statt Repression !!!